Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


Seitenleiste

Übersetzungen dieser Seite:

—————————————
Willkommen

Themen

virtueller_impressionismus

Virtueller Impressionismus

Ich durchstreife die Zwischenreiche zwischen dem Virtuellen und dem Realen, weil von dort her, wie ich meine, eine bedeutende Störung für unsere Zivilisation kommt. Ich denke, Menschen möchten gerne eine gewisse Kontrolle haben, über die Wirklichkeit und das, was man über die Wirklichkeit sagt oder denkt. Aber diese Kontrolle hat sich verabschiedet und ist verloren. Eigentlich war das schon immer so. In der Metaphysik gibt es keine Fakten, obwohl es Wirkungen gibt. Das gilt für Religion, aber auch für alles mögliche andere, zum Beispiel auch die Kunst. Aber viel mehr als philosophische Unwägbarkeiten haben zwei andere Entwicklungen in unserer Epoche eine Art geistiger Gleichgewichtsstörung erzwungen: das eine ist die Quantenphysik mit ihrer großen Bedeutung für unseren Alltag, das andere die Informationstheorie mit derselben großen Bedeutung für unseren Alltag.

Man kann heute nicht mehr ohne weiteres an die Wirklichkeit glauben, bloß weil man sich den Fuß daran stößt. Früher war das mal eine gute Antwort auf philosophische Fragestellungen: „Wenn Du Dir weh tust, dann muss es wohl wirklich sein!“- Und den Rest konnte man getrost den Theoretikern überlassen, aber das ist nicht mehr so. Quantentheorie und Informationswissenschaft, mit ihren ganz direkten Konsequenzen in jedermanns täglichem Leben, fast sekundlich, sind meiner Meinung nach grundsätzlich beteiligt an der Zerrüttung in der wir uns mit unserer Zivilisation befinden. Diese Umbruchzeit fordert die Kunst (oder mich als Künstler) heraus.

Angefangen hat die Arbeitsweise, die ich jetzt „Schatzbild“ nenne, etwa 2007 als eine Überlegung über den Grad der Wirklichkeit von Malerei. Gibt es einen Unterschied, zwischen einem Foto von Malerei und dem Original, wenn dieses Foto so gut ist, dass es un-unterscheidbar vom Original ist? Und was bedeutet dieser Unterschied, wenn es ihn gibt? Oder was bedeutet es, insofern es ihn nicht gibt? Heute, 2019, bin ich dabei, mir die virtuelle V4-Anlage zu bauen, die ist natürlich nur symbolisch. Sie ist keine perfekte Simulation von Wirklichkeit. Man erkennt, dass man nicht in einem wirklichen Raum ist und das werde ich auch so lassen. Trotzdem möchte ich in dieser Anlage so malen, wie Monet seinen Seerosenteich gemalt hat – und zwar genauso! Das … macht mir Spaß! Mich interessiert dieser Rückweg… aus dem Virtuellen zurück in das Reale.

Claude Monet erwähne ich nicht wegen einer Pixelähnlichkeit der impressionistischen Arbeitsweise. Sondern, weil das für mich ein wichtiger Topos ist: Giverny und dass jemand sich sein Reich baut, indem er malen will. Impressionismus ist außerdem die Art von Malerei, (mehr noch Cezanne, aber auch Monet,) die für mich irgendwann …wichtig wurde. „DIE Malerei“ könnte ich für mich schon sagen. Ich denke auch „Virtueller Impressionismus“ wäre ein gutes Wort für das, was ich vorhabe.

Die Zivilisation heute ist instabil. Trotzdem stehen wir da, bedrängt zwischen anderen Problemen und betrachten zutraulich die Emanation der Rätselhaftigkeit, also die virtuellen Welten. … die so wenig im Griff sind, kulturell und zivilisatorisch. Technisch kennen wir uns teilweise aus, aber nicht philosophisch: wir wissen eigentlich nicht, mit was wir da umgehen. Was ist eigentlich eine „Information“? Ich habe mal irgendwann angefangen mich dafür zu interessieren, ist schon lange her und seitdem beobachte ich unsere … irgendwie fahrigen… ahnungslosen Versuche, „Information“ zu definieren. Was anscheinend immer noch nicht gelungen ist – von Gebrauchs-Definitionen für bestimmte Teilgebiete abgesehen. Also: was ist eigentlich eine Information? Was ist denn das? Diese Frage führt in schwierige kosmologische, nein: in genau jene schwierigen zivilisatorischen Fragen, die unsere Zeit so beschäftigt. Und zwar seit 1900, seit der… , Erfindung kann man ja nicht sagen, aber seitdem diese Quantentheorie bei uns hereingekracht ist. Seitdem stammeln wir herum, versuchen irgendwie uns die Dinge zurecht zu legen, lügen uns dabei in die Tasche, dass wir´s verstanden hätten. In dieser Situation mache ich meine Kunstprojekte. Und meine eigentliche Verantwortung in diesem Zusammenhang besteht für mich darin, dass ich das …. diesen großen zivilisatorischen Umbruch… , anschaue… dokumentiere sozusagen, als Zeitzeuge. Virtual Impressionism

Stefan Budian, 6.2.2019

virtueller_impressionismus.txt · Zuletzt geändert: 2019/05/15 13:07 von admin