Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


ludwig:odw

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
ludwig:odw [2026/02/27 15:34] – [Ludwig, Überfall und Überzeugung] adminludwig:odw [2026/02/27 16:05] (aktuell) – [Warum erklären die beiden Projekte sich nicht gegenseitig?] admin
Zeile 31: Zeile 31:
  
  
-Das Ludwig-Projekt beginnt an einem anderen Ort.+Das Ludwig-Projekt begann anders: mein Großvater Ludwig Breining, geboren 1911, gestorben 1940, SA-Sturmführer, Maler, Lehrer, Soldat. Ein Mensch, der in seinem Umfeld beliebt und geachtet war. Dessen Foto jahrzehntelang an der Wand meiner Großtante hing, ohne dass man über ihn sprach. Geliebt und beschwiegen zugleich.
  
-Stefans Großvater Ludwig Breininggeboren 1911gestorben 1940SA-SturmführerMalerLehrerSoldatEin Mensch, der in seinem Umfeld beliebt und geachtet warDessen Foto jahrzehntelang an der Wand meiner Großtante hing, ohne dass man über ihn sprachGeliebt und beschwiegen zugleich.+2025 gab mir meine Mutter sein Feldtagebuch. Ludwig schrieb gut. Er empfand. Er liebte seine Kameraden. Er war SA Sturmführer. Er wollte Menschen helfendie orientierungslos waren; helfenindem er ihnen zeigtewie man aufhörtoffen zu seinund anfängtan etwas Großem durch Unterordnung teilzuhabenIn seinem Bericht vom 24August bis 2. Oktober 1939 – den Wochen des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen - beobachtete er genauEr beschrieb die Landschaft und das Wetter, die brennenden Dörfer, die erschossenen Menschen, die Juden, die Leichen und seine eigenen Gedanken. Er war mit sich im Reinen, er tat was er dort tat aus Überzeugung; aus einem Idealismus heraus.
  
-Sein Feldtagebuch, das ich von meiner Mutter 2025 erhielt, zeigt einen Menschen, der von innen her kohärent war. Ludwig schrieb gut. Er empfandEr liebte seine KameradenEr war SA Sturmführer. Er wollte Menschen helfendie orientierungslos waren; helfenindem er ihnen zeigte, wie man aufhört, offen zu sein, und anfängt, an etwas Großem durch Unterordnung teilzuhabenIn seinem Bericht vom 24. August bis 2. Oktober 1939 – den Wochen des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen - beobachtete er genau. Er beschrieb die Landschaft und das Wetterdie brennenden Dörferdie erschossenen Menschen, die Juden, die Leichen und seine eigenen Gedanken. Er war mit sich im Reinen, er tat was er dort tat aus Überzeugung; aus einem Idealismus heraus.+Obwohl meine Mutter ihn nicht gekannt hatte (sie war erst 2 Monate alt als er fiel) sagte sie: Er erinnert mich an dichDein IdealismusDeine Bereitschaftfür das einzustehenworan du glaubstDas ist mein Ausgangspunkt des Projekts: „Wie wurde ein Mensch, der ich sein könntezu dem, was ich nicht sein will?“
  
-Obwohl meien Mutter ihn nicht gekannt hatte (sie 2 Monate alt als er starb) sagte sie: Er erinnert mich an dichDein IdealismusDeine Bereitschaft, für das einzustehen, woran du glaubstDas ist mein Ausgangspunkt des Projekts: „Wie wurde ein Mensch, der ich sein könnte, zu dem, was ich nicht sein will?“+In meinem Ludwig-Projekt will ich Ludwig von innen heraus betrachten – wie ein Schriftsteller einer Romanfigur Leben verleiht, ohne über sie zu urteilen, ohne sie zu ändern, ohne sie schärfer zu machen als sie warUm ihn anzutreffenIn KaiserslauternIn Tschechien. In Polen. In der Nähe von Auschwitz. In der heutigen Ukraine.
  
-In meinem Ludwig-Projekt will ich Ludwig von innen heraus betrachten – wie ein Schriftsteller einer Romanfigur Leben verleiht, ohne über sie zu urteilen, ohne sie zu ändern, ohne sie schärfer zu machen als sie warUm ihn dort zu treffenwo er war. In Kaiserslautern. In Tschechien. In Polen. In der Nähe von Auschwitz. In der heutigen Ukraine.+Die Übertragung in die Gegenwart ist dabei nicht meine AufgabeDas ist (vielleicht) die Aufgabe dererdie  zuschauen.
  
-Die Übertragung in die Gegenwart ist dabei nicht meine Aufgabe. Das ist (vielleicht) die Aufgabe derer, die (vielleicht) zuschauen. 
  
 +===== Warum erklären die beiden Projekte sich nicht gegenseitig? =====
  
-===== Warum können die beiden Projekte nicht füreinander sprechen? ===== 
  
 +„Ludwig“ ist kein mahnendes Beispiel für das, was heute in unserer Welt geschieht. Und „Der Osten des Westens“ braucht kein historisches Beispiel, um zu zeigen, was heute auf dem Spiel steht.
  
-//Das Projekt „Ludwig“ ist kein mahnendes Beispiel für das, was heute in unserer Welt geschieht. Und „Der Osten des Westens“ braucht keine historische Erklärung, um zu zeigen, was heute, in unserer Zeitauf dem Spiel steht.//+Wenn Ludwig zum blossen Spiegel der Gegenwart wird – zur Warnung instrumentalisiert –, verliert er das Wertvolle: seine Innerlichkeitseine Kohärenz, sein Menschsein. Er würde zur Lektion werden. Und Lektionen schließen wirkliche Begegnung ausähnlich wie Propaganda es tut
  
-Wenn Ludwig zum Spiegel der Gegenwart würde – wenn er zur Warnung instrumentalisiert würde –, verlöre er das, was ihn wertvoll macht: seine Innerlichkeit, seine Kohärenz, sein Menschsein. Er würde zur Lektion werden. Und Lektionen schließen wirkliche Begegnung aus, ähnlich wie Propaganda es tut.+Und wenn das Projekt "Der Osten des Westens“ zum historischen Befund wird – wenn es auf einer Erklärung aufbauen würde, wie damals zu heute führte –, verliert es seine Offenheit; das Wandelbild wird dann zur Illustration.
  
-Und wenn das Projekt "Der Osten des Westens“ zum historischen Befund würde – wenn es erklärtwie damals zu heute führte –, verlöre es seine Offenheit. Und das Wandelbild würde zur Illustration.+Stattdessen leben beide Projekte in derselben Grundhaltung: nicht Wissen vermittelnsondern Begegnung ermöglichen zu wollen
  
-Beide Projekte leben von derselben Grundhaltung: nicht zu wissen, sondern begegnen zu wollen. Es hgeht um das  Erkennen, das sich ereignet, bevor es einen Namen hat. Diese Haltung ist es, die "Ludwig" und "Der Osten des Westens" verbindet.+===== Der Zusammenklang der beiden Projekte =====
  
  
-===== Das Gemeinsame =====+Wer „Der Osten des Westens“ wahrnimmt und dann „Ludwig, Überfall und Überzeugung“, wird vielleicht etwas spüren – eine Verbindung zwischen der Sehnsucht nach Freiheit, die er beim Ersten angetroffen hat, und dem Weg von Ludwig, der einmal in die entgegengesetzte Richtung führte.\\ 
 +Wer „Ludwig“ wahrnimmt und dann „Der Osten des Westens“, wird die Fragen, die er mitbringt, vielleicht anders in das aktuelle europäische Feld stellen als ohne "Ludwig".
  
- +Aber die Antworten, die fühlbar werden gehören nur den Betrachtenden.
-Wer dem „Osten des Westens“ begegnet und dann „Ludwig, Überfall und Überzeugung“, wird vielleicht etwas spüren – eine Verbindung zwischen der Sehnsucht nach Freiheit, die er dort angetroffen hat, und dem Weg, der einmal in die entgegengesetzte Richtung führte.\\ +
-Wer „Ludwig“ begegnet und dann dem „Osten des Westens“, wird die Fragen, die er mitbringt, vielleicht anders stellen. +
- +
-Aber die Antworten, die fühlbar werden, wenn man beide zusammendenkt, gehören den Betrachtenden. Nicht den Projekten.+