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ludwig:odw

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ludwig:odw [2026/02/27 15:54] – [Der Zusammenklang] adminludwig:odw [2026/02/27 16:05] (aktuell) – [Warum erklären die beiden Projekte sich nicht gegenseitig?] admin
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-Das Ludwig-Projekt beginnt an einem anderen Ort.+Das Ludwig-Projekt begann anders: mein Großvater Ludwig Breining, geboren 1911, gestorben 1940, SA-Sturmführer, Maler, Lehrer, Soldat. Ein Mensch, der in seinem Umfeld beliebt und geachtet war. Dessen Foto jahrzehntelang an der Wand meiner Großtante hing, ohne dass man über ihn sprach. Geliebt und beschwiegen zugleich.
  
-Stefans Großvater Ludwig Breininggeboren 1911gestorben 1940SA-SturmführerMalerLehrerSoldatEin Mensch, der in seinem Umfeld beliebt und geachtet warDessen Foto jahrzehntelang an der Wand meiner Großtante hing, ohne dass man über ihn sprachGeliebt und beschwiegen zugleich.+2025 gab mir meine Mutter sein Feldtagebuch. Ludwig schrieb gut. Er empfand. Er liebte seine Kameraden. Er war SA Sturmführer. Er wollte Menschen helfendie orientierungslos waren; helfenindem er ihnen zeigtewie man aufhörtoffen zu seinund anfängtan etwas Großem durch Unterordnung teilzuhabenIn seinem Bericht vom 24August bis 2. Oktober 1939 – den Wochen des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen - beobachtete er genauEr beschrieb die Landschaft und das Wetter, die brennenden Dörfer, die erschossenen Menschen, die Juden, die Leichen und seine eigenen Gedanken. Er war mit sich im Reinen, er tat was er dort tat aus Überzeugung; aus einem Idealismus heraus.
  
-Sein Feldtagebuch, das ich von meiner Mutter 2025 erhielt, zeigt einen Menschen, der von innen her kohärent war. Ludwig schrieb gut. Er empfand. Er liebte seine Kameraden. Er war SA Sturmführer. Er wollte Menschen helfen, die orientierungslos waren; helfen, indem er ihnen zeigte, wie man aufhört, offen zu sein, und anfängt, an etwas Großem durch Unterordnung teilzuhaben. In seinem Bericht vom 24. August bis 2. Oktober 1939 – den Wochen des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen - beobachtete er genau. Er beschrieb die Landschaft und das Wetter, die brennenden Dörfer, die erschossenen Menschen, die Juden, die Leichen und seine eigenen Gedanken. Er war mit sich im Reinen, er tat was er dort tat aus Überzeugung; aus einem Idealismus heraus. +Obwohl meine Mutter ihn nicht gekannt hatte (sie war erst 2 Monate alt als er fiel) sagte sie: Er erinnert mich an dich. Dein Idealismus. Deine Bereitschaft, für das einzustehen, woran du glaubst. Das ist mein Ausgangspunkt des Projekts: „Wie wurde ein Mensch, der ich sein könnte, zu dem, was ich nicht sein will?“
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-Obwohl meien Mutter ihn nicht gekannt hatte (sie 2 Monate alt als er starb) sagte sie: Er erinnert mich an dich. Dein Idealismus. Deine Bereitschaft, für das einzustehen, woran du glaubst. Das ist mein Ausgangspunkt des Projekts: „Wie wurde ein Mensch, der ich sein könnte, zu dem, was ich nicht sein will?“+
  
 In meinem Ludwig-Projekt will ich Ludwig von innen heraus betrachten – wie ein Schriftsteller einer Romanfigur Leben verleiht, ohne über sie zu urteilen, ohne sie zu ändern, ohne sie schärfer zu machen als sie war. Um ihn anzutreffen. In Kaiserslautern. In Tschechien. In Polen. In der Nähe von Auschwitz. In der heutigen Ukraine. In meinem Ludwig-Projekt will ich Ludwig von innen heraus betrachten – wie ein Schriftsteller einer Romanfigur Leben verleiht, ohne über sie zu urteilen, ohne sie zu ändern, ohne sie schärfer zu machen als sie war. Um ihn anzutreffen. In Kaiserslautern. In Tschechien. In Polen. In der Nähe von Auschwitz. In der heutigen Ukraine.
  
-Die Übertragung in die Gegenwart ist dabei nicht meine Aufgabe. Das ist (vielleicht) die Aufgabe derer, die (vielleicht) zuschauen.+Die Übertragung in die Gegenwart ist dabei nicht meine Aufgabe. Das ist (vielleicht) die Aufgabe derer, die  zuschauen.
  
  
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-//„Ludwig“ ist kein mahnendes Beispiel für das, was heute in unserer Welt geschieht. Und „Der Osten des Westens“ braucht kein historisches Beispiel, um zu zeigen, was heute auf dem Spiel steht.//+„Ludwig“ ist kein mahnendes Beispiel für das, was heute in unserer Welt geschieht. Und „Der Osten des Westens“ braucht kein historisches Beispiel, um zu zeigen, was heute auf dem Spiel steht.
  
 Wenn Ludwig zum blossen Spiegel der Gegenwart wird – zur Warnung instrumentalisiert –, verliert er das Wertvolle: seine Innerlichkeit, seine Kohärenz, sein Menschsein. Er würde zur Lektion werden. Und Lektionen schließen wirkliche Begegnung aus, ähnlich wie Propaganda es tut.  Wenn Ludwig zum blossen Spiegel der Gegenwart wird – zur Warnung instrumentalisiert –, verliert er das Wertvolle: seine Innerlichkeit, seine Kohärenz, sein Menschsein. Er würde zur Lektion werden. Und Lektionen schließen wirkliche Begegnung aus, ähnlich wie Propaganda es tut. 
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 Wer „Ludwig“ wahrnimmt und dann „Der Osten des Westens“, wird die Fragen, die er mitbringt, vielleicht anders in das aktuelle europäische Feld stellen als ohne "Ludwig". Wer „Ludwig“ wahrnimmt und dann „Der Osten des Westens“, wird die Fragen, die er mitbringt, vielleicht anders in das aktuelle europäische Feld stellen als ohne "Ludwig".
  
-Aber die Antworten, die fühlbar werden gehören den Betrachtenden.+Aber die Antworten, die fühlbar werden gehören nur den Betrachtenden.