ludwig:projekttagebuch
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| Ich bin dort gewesen am 11. April, an dieser Stelle, an der vor über neunzig Jahren mein Großvater mit stolzem Schritt vorbeimarschiert ist, die Hand zum Hitlergruß erhoben, seinen SA-Zug anführend – und hinter ihm die Fassade der Fruchthalle in Kaiserslautern. | Ich bin dort gewesen am 11. April, an dieser Stelle, an der vor über neunzig Jahren mein Großvater mit stolzem Schritt vorbeimarschiert ist, die Hand zum Hitlergruß erhoben, seinen SA-Zug anführend – und hinter ihm die Fassade der Fruchthalle in Kaiserslautern. | ||
| - | Während ich dort stand, um aufzubauen, kam jemand und verwickelte mich in ein absurdes Gespräch: Ich solle auf meinen Sonnenhut – denn der Tag war sehr schön, blauer Himmel, allerdings etwas windig – Sonnenpaneele setzen und auch auf die Außentaschen meiner Hosen. Er meinte das ganz ernst. Auf seiner Hand stand eine Telefonnummer und ein Name geschrieben, | + | Während ich dort stand, um aufzubauen, kam jemand und verwickelte mich in ein absurdes Gespräch: Ich solle auf meinen Sonnenhut – denn der Tag war sehr schön, blauer Himmel, allerdings etwas windig – Sonnenpaneele setzen und auch auf die Außentaschen meiner Hosen. Er meinte das ganz ernst. Auf seiner Hand stand eine Telefonnummer und ein Name geschrieben, |
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| - | An einer Stelle spielte ich auf dem Handy das Lied über Ludwig, das inzwischen entstanden ist und von dem ich noch nicht weiß, ob es eine Rolle im Projekt spielen soll. Das Handy war sehr leise, die Menschen hörten nur wenig. Und sie warnten mich. Es fiel der Name Philipp Jenninger – Bundestagspräsident, | + | An einer Stelle spielte ich auf dem Handy das [[.: |
| - | Das wurde mir als Warnung mitgegeben, weil das Lied, wenn man es nicht genau hören | + | Das wurde mir als Warnung mitgegeben, weil das Lied, wenn man die Details |
| - | Es geht mir nicht darum, Ludwig zu verurteilen. Es geht mir darum, ihn zu sehen – und noch mehr darum, zu sehen, was er nicht wahrnehmen konnte. Als er in Polen auf fremde Menschen schoss und sich Gedanken machte über die Bevölkerung, | + | Es geht mir nicht darum, Ludwig zu verurteilen. Es geht mir darum, ihn zu sehen – und noch mehr darum, zu sehen, was er nicht wahrnehmen konnte |
| Beim Malen dachte ich darüber nach, dass ich diese Blindheit aufheben will. Dass ich sehen will, was er nicht sehen konnte. Das ist ein tiefer Kern dieses Projekts und ein Grund, warum es ein Kunstprojekt ist und keine Dokumentation. Ich möchte sehen, was er nicht mehr sehen konnte – und darin will ich auch ihn sehen. | Beim Malen dachte ich darüber nach, dass ich diese Blindheit aufheben will. Dass ich sehen will, was er nicht sehen konnte. Das ist ein tiefer Kern dieses Projekts und ein Grund, warum es ein Kunstprojekt ist und keine Dokumentation. Ich möchte sehen, was er nicht mehr sehen konnte – und darin will ich auch ihn sehen. | ||
| - | Ich glaube, dass das wichtig ist. Meine Generation, die Enkel, die nun selbst älter werden – Enkel der Täter und der Mitläufer. Wir sollten die Erinnerung wachhalten und wieder zu einer Quelle machen. Damit diese Blindheit und Verblendung sich nicht so einfach und widerstandslos wiederholt. Denn so scheint es heute zu sein: Das Blindsein, das Nicht-Zuhören, | + | Ich glaube, dass das wichtig ist. Meine Generation, die Enkel, die nun selbst älter werden – Enkel der Täter und der Mitläufer |
| - | Dann meldete sich leise – in diesen Momenten und in den Stunden danach – eine Vorstellung. Jemanden zu sehen oder zu hören, der nicht Teil des Propagandazuges war und auch nicht Teil von Ludwigs bejahender Umgebung. Jemand, der an diesem Tag am Rande gestanden hatte, vielleicht nicht mehr offen sprach, weil man es ihm schon ausgetrieben hatte, und der in diesem vorbeiziehenden Propagandamarsch alles andere als eine schöne Verheißung sah. | + | Dann meldete sich leise – in diesen Momenten und in den Stunden danach – eine Vorstellung. Jemanden zu sehen oder zu hören, der nicht Teil des Propagandazuges war und auch keiner der begeisterten Zuschauer. Jemand, der an diesem Tag am Rande gestanden hatte, vielleicht nicht mehr offen sprach, weil man es ihm schon ausgetrieben hatte, und der in diesem vorbeiziehenden Propagandamarsch alles andere als eine schöne Verheißung sah. |
| - | Ich begann zu überlegen, wer das gewesen sein könnte – und begann dann zusammen mit Claude eine Stimme zu entwerfen: Emil Hoffmann, eine fiktive Figur, | + | Ich begann zu überlegen, wer das gewesen sein könnte – und begann dann zusammen mit Claude eine Stimme zu entwerfen: Emil Hoffmann, eine fiktive Figur, |
| - | Ich beschloss, diese Stimme nicht nur zu schreiben, sondern sie auch zu einem Lied zu machen – veröffentlicht, | + | Ich beschloss, diese Stimme nicht nur zu schreiben, sondern sie auch zu einem Lied zu machen – veröffentlicht, |
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