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ludwig:projekttagebuch

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ludwig:projekttagebuch [2026/04/27 17:30] adminludwig:projekttagebuch [2026/04/27 17:38] (aktuell) admin
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-Es geht mir nicht darum, Ludwig zu verurteilen. Es geht mir darum, ihn zu sehen – und noch mehr darum, zu sehen, was er nicht wahrnehmen konnte([[.:stimmen:start|Die ungehörten Stimmen]]) Als er in Polen auf fremde Menschen schoss und sich Gedanken machte über die Bevölkerung, über einzelne Menschen am Wegesrand, waren diese Gedanken – obwohl er, wie ich glaube, von Naturell aus ein offen schauender Mensch war – völlig blind und verstellt durch seine extremistische Verblendung.+Es geht mir nicht darum, Ludwig zu verurteilen. Es geht mir darum, ihn zu sehen – und noch mehr darum, zu sehen, was er nicht wahrnehmen konnte ([[.:stimmen:start|Die ungehörten Stimmen]])Als er in Polen auf fremde Menschen schoss und sich Gedanken machte über die Bevölkerung, über einzelne Menschen am Wegesrand, waren diese Gedanken – obwohl er, wie ich glaube, von Naturell aus ein offen schauender Mensch war – völlig blind und verstellt durch seine extremistische Verblendung.
 Beim Malen dachte ich darüber nach, dass ich diese Blindheit aufheben will. Dass ich sehen will, was er nicht sehen konnte. Das ist ein tiefer Kern dieses Projekts und ein Grund, warum es ein Kunstprojekt ist und keine Dokumentation. Ich möchte sehen, was er nicht mehr sehen konnte – und darin will ich auch ihn sehen. Beim Malen dachte ich darüber nach, dass ich diese Blindheit aufheben will. Dass ich sehen will, was er nicht sehen konnte. Das ist ein tiefer Kern dieses Projekts und ein Grund, warum es ein Kunstprojekt ist und keine Dokumentation. Ich möchte sehen, was er nicht mehr sehen konnte – und darin will ich auch ihn sehen.
 Ich glaube, dass das wichtig ist. Meine Generation, die Enkel, die nun selbst älter werden – Enkel der Täter und der Mitläufer - wir sollten die Erinnerung wachhalten und wieder zu einer Quelle machen. Damit diese Blindheit und Verblendung sich nicht so einfach und widerstandslos wiederholt. Denn so scheint es heute zu sein: Das Blindsein, das Nicht-Zuhören, das Nicht-Akzeptieren des anderen greift um sich. Als wäre die Erinnerung kein fester Grund mehr, der zeigt, wo die Sümpfe und Abgründe liegen, in denen mein Großvater verloren ging. Ich glaube, dass das wichtig ist. Meine Generation, die Enkel, die nun selbst älter werden – Enkel der Täter und der Mitläufer - wir sollten die Erinnerung wachhalten und wieder zu einer Quelle machen. Damit diese Blindheit und Verblendung sich nicht so einfach und widerstandslos wiederholt. Denn so scheint es heute zu sein: Das Blindsein, das Nicht-Zuhören, das Nicht-Akzeptieren des anderen greift um sich. Als wäre die Erinnerung kein fester Grund mehr, der zeigt, wo die Sümpfe und Abgründe liegen, in denen mein Großvater verloren ging.
  
  
-Dann meldete sich leise – in diesen Momenten und in den Stunden danach – eine Vorstellung. Jemanden zu sehen oder zu hören, der nicht Teil des Propagandazuges war und auch nicht Teil von Ludwigs bejahender Umgebung. Jemand, der an diesem Tag am Rande gestanden hatte, vielleicht nicht mehr offen sprach, weil man es ihm schon ausgetrieben hatte, und der in diesem vorbeiziehenden Propagandamarsch alles andere als eine schöne Verheißung sah. +Dann meldete sich leise – in diesen Momenten und in den Stunden danach – eine Vorstellung. Jemanden zu sehen oder zu hören, der nicht Teil des Propagandazuges war und auch keiner der begeisterten Zuschauer. Jemand, der an diesem Tag am Rande gestanden hatte, vielleicht nicht mehr offen sprach, weil man es ihm schon ausgetrieben hatte, und der in diesem vorbeiziehenden Propagandamarsch alles andere als eine schöne Verheißung sah. 
-Ich begann zu überlegen, wer das gewesen sein könnte – und begann dann zusammen mit Claude eine Stimme zu entwerfen: Emil Hoffmann, eine fiktive Figur, die vielleicht in Kaiserslautern gelebt hat, vielleicht SPD-Mitglied war, die in Osthofen bei Worms interniert und gebrochen wurde und 1935 hier am Rande stand, in einer Art innerer Verlorenheit, schweigend dem Zug zuschauend.+Ich begann zu überlegen, wer das gewesen sein könnte – und begann dann zusammen mit Claude eine Stimme zu entwerfen: Emil Hoffmann, eine fiktive Figur, der vielleicht in Kaiserslautern gelebt hat, vielleicht SPD-Mitglied war, der in Osthofen bei Worms interniert und gebrochen wurde und 1935 hier am Rande stand, in einer Art innerer Verlorenheit, schweigend dem Zug zuschauend.
  
-Ich beschloss, diese Stimme nicht nur zu schreiben, sondern sie auch zu einem Lied zu machen – veröffentlicht, nach außen gehend. Nicht der junge Ludwig, der zwischen der Begeisterung seiner Jugend und dem Entsetzen über das, was daraus wurde, steht. Sondern ein gebrochener Mensch, der sieht, was geschieht, weiß, dass er nichts dagegen tun kann, und dessen Stimme den Anfang macht in diesem Projekt.+Ich beschloss, diese Stimme nicht nur zu schreiben, sondern sie auch zu einem Lied zu machen – veröffentlicht, nach außen gehend. Ein gebrochener Mensch, der sieht, was geschieht, weiß, dass er nichts dagegen tun kann, und dessen Stimme den Anfang macht in diesem Projekt ([[.:stimmen:emil|Emils Lied]]).
  
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