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ludwig:stimmen:lyrics:schmuel-lyrics

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 +Jiddisch SHMUEL ZITST (Mizrekh-Galitsye, Zumer 1939)
 +[Verse 1 - slow, clarinet only at first, voice barely above speaking, cantorial ornamentation on long vowels, Yiddish] Mayn tate hot do gezesn oykh. Un zayn tate. Der shteyn kennt undz. Mir kenen dem shteyn. Fun Daytshland kumen nayes. Mayn shver Berl hot alts geleyen — er iz avek, far dray yorn. Er shraybt: Kum. Kum atsund. [pause - violin enters, single notes, very quiet] Ikh leyyen zayn briv un fald im tsurik un leg im in shopl tsu di andere briv. [Chorus - same quiet level, almost spoken, no lift, hazzan inflection on final words] S'iz shoyn geven erger. S'iz alts mol vider beser gevorn. Got hot undz nit farlozt in Mitsraym. [pause - complete silence] Ober ikh zits do un der ovnt kumt un ikh veyst nit vos ikh veyst. [Verse 2 - voice stays low, clarinet underneath, continue cantorial ornamentation] Der rov zogt: Bitokhn. Der Bundist zogt: Vidershtand. Mayn zun Moyshe zogt: Palestina. Mayn vayb zogt gornit ober ire hent faltn un faltn dos tikhl afn tish. [pause] Ikh hob gelt far dray bilyetn. Nit far finef. Vu for ikh on mayn mamen? Vu loz ikh mayn tatn in der erd? [brief outburst - 2 bars of frantic klezmer, immediate return to silence] [Bridge - spoken only, no music, no melody, flat and quiet] In Daytshland hobn zey gemakht gezetsen. Gezetsen. Vi dos volt geven recht. Mayn shver Berl zogt di Daytshn zaynen andersh. Nit vi di Kozakn. Nit vi di poyers nokh brokhfn. Sistematish. Dos vort hot er genitst. Sistematish. Ikh veyst nit vos dos meynt far a man mit shtofn un khoyves un a mamen vos vil nit geyn. [long pause - no music] [Verse 3 - he looks at the street, voice tender, no outburst, cantorial phrasing returns gently] Di kinder shpiln nokh. Der mark iz nokh ofn. Der shokhn Yankev grист vi alts mol. Efsher iz es gornit. Efsher iz Berl a shlekhter. Efsher zaynen mir shoyn tsu lang Yidn in der velt tsu visn nokh vos iz normal un vos iz a simen. [Chorus - quieter than before, more fragile, deeper cantorial ornamentation] S'iz shoyn geven erger. S'iz alts mol vider beser gevorn. [pause] Ober ikh zits do un der ovnt kumt un mayn vayb falt dos tikhl un ikh fal Berls briv un keyner zogt vos mir beyde trakhn. [Final Verse - he stands up, slow, tender, most intimate moment of the song] Ikh gey atsund arayn. Nit vayl es iz zikher. Nit vayl ikh veyst. Nor vayl dos ovnbroyt vartet. Vayl Moyshe muz lernen zayn lektion. Vayl mayn mame greyt dem Shabes. [clarinet and violin together, still quiet, tender not triumphant, cantorial ornamentation on final lines] Vayl men biz dem letstn moment blaybt a mentsh vos geyt aheym. [pause - voice drops to a whisper] Afile ven er veyst nit vos heym meynt ven di heym iz nito mer. [end - clarinet alone, single falling cantorial phrase, like the end of a prayer, then complete silence] [hard stop - no fade, no music]
  
  
  
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 [Verse 1] Mein Vater saß hier damals auch. Und sein Vater. Der Stein kennt uns. Wir kennen den Stein. Aus Deutschland kommen Nachrichten. Mein Schwiegervater hat alles gelesen — er ist fort, seit drei Jahren. Er schreibt: Komm. Komm sofort. [Verse 1 – Fortsetzung] Ich lese seinen Brief dann leg ich ihn weg und leg ihn in die Schublade zu den anderen Briefen. [Chorus] Es war schon einmal schlimmer. Und irgendwann wurde es wieder besser. Gott hat uns nicht verlassen in Mizrajim. [Zwischenstück] Aber ich sitze hier und der Abend kommt und ich weiß nicht was ich weiß. [Verse 2] Der Rabbi sagt: Vertrauen. Der Genosse sagt: Widerstand. Mein Sohn Mosche sagt: Palästina. Mein Weib sagt nichts aber ihre Hände falten und falten das Tuch auf dem Tisch. [Verse 2 – Fortsetzung] Ich hab Geld für drei Fahrkarten. Nicht für fünf. Wohin fahr ich ohne meine Mutter? Wen lass ich bei meinem Vater im Grab? [Bridge] In Deutschland haben sie Gesetze gemacht. Gesetze. Als wäre es gerecht. Mein Schwiegervater sagt die Deutschen sind anders. Nicht wie Kosaken. Nicht wie die Bauern nach Pogromen. Planmäßig. Das Wort hat er benutzt. Planmäßig. Ich weiß nicht was es heißt für einen Mann mit Raten und Schulden und für eine Mutter die nicht fort will. [Verse 3] Die Kinder spielen noch. Der Markt ist noch offen. Der Nachbar Jakow grüßt wie jedesmal. Vielleicht ist es gar nichts. Vielleicht ist Berl ein Schwarzseher. Vielleicht sind wir schon zu lange Juden in der Welt um noch zu wissen was nur Alltag ist und was ein Zeichen. [Chorus] Es war schon einmal schlimmer. Und irgendwann wurde es wieder besser. Aber ich sitze hier und der Abend kommt und mein Weib faltet das Tuch und ich falte Berls Brief und keiner sagt was wir beide denken. [Final Verse] Ich geh jetzt hinein. Nicht weil es sicher ist. Nicht weil ich weiß. Nur weil das Abendbrot wartet. Weil Mosche noch lernen muss. Weil meine Mutter den Schabbes bereitet. Weil man bis zum letzten Moment Mensch bleibt der heimwärts geht. Auch wenn er nicht weiß was Heimat heißt wenn die Heimat schon zerbricht. [Verse 1] Mein Vater saß hier damals auch. Und sein Vater. Der Stein kennt uns. Wir kennen den Stein. Aus Deutschland kommen Nachrichten. Mein Schwiegervater hat alles gelesen — er ist fort, seit drei Jahren. Er schreibt: Komm. Komm sofort. [Verse 1 – Fortsetzung] Ich lese seinen Brief dann leg ich ihn weg und leg ihn in die Schublade zu den anderen Briefen. [Chorus] Es war schon einmal schlimmer. Und irgendwann wurde es wieder besser. Gott hat uns nicht verlassen in Mizrajim. [Zwischenstück] Aber ich sitze hier und der Abend kommt und ich weiß nicht was ich weiß. [Verse 2] Der Rabbi sagt: Vertrauen. Der Genosse sagt: Widerstand. Mein Sohn Mosche sagt: Palästina. Mein Weib sagt nichts aber ihre Hände falten und falten das Tuch auf dem Tisch. [Verse 2 – Fortsetzung] Ich hab Geld für drei Fahrkarten. Nicht für fünf. Wohin fahr ich ohne meine Mutter? Wen lass ich bei meinem Vater im Grab? [Bridge] In Deutschland haben sie Gesetze gemacht. Gesetze. Als wäre es gerecht. Mein Schwiegervater sagt die Deutschen sind anders. Nicht wie Kosaken. Nicht wie die Bauern nach Pogromen. Planmäßig. Das Wort hat er benutzt. Planmäßig. Ich weiß nicht was es heißt für einen Mann mit Raten und Schulden und für eine Mutter die nicht fort will. [Verse 3] Die Kinder spielen noch. Der Markt ist noch offen. Der Nachbar Jakow grüßt wie jedesmal. Vielleicht ist es gar nichts. Vielleicht ist Berl ein Schwarzseher. Vielleicht sind wir schon zu lange Juden in der Welt um noch zu wissen was nur Alltag ist und was ein Zeichen. [Chorus] Es war schon einmal schlimmer. Und irgendwann wurde es wieder besser. Aber ich sitze hier und der Abend kommt und mein Weib faltet das Tuch und ich falte Berls Brief und keiner sagt was wir beide denken. [Final Verse] Ich geh jetzt hinein. Nicht weil es sicher ist. Nicht weil ich weiß. Nur weil das Abendbrot wartet. Weil Mosche noch lernen muss. Weil meine Mutter den Schabbes bereitet. Weil man bis zum letzten Moment Mensch bleibt der heimwärts geht. Auch wenn er nicht weiß was Heimat heißt wenn die Heimat schon zerbricht.
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