text:narva_2026
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| text:narva_2026 [2026/01/21 11:18] – [Tag 2/01] admin | text:narva_2026 [2026/01/26 14:49] (aktuell) – [Tag 3/01] admin | ||
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| Ich stelle mir ihr Leben vor in Narva - und kann es natürlich nicht. Der Versuch schon fühlt sich vermessen an. | Ich stelle mir ihr Leben vor in Narva - und kann es natürlich nicht. Der Versuch schon fühlt sich vermessen an. | ||
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| + | In Narva angekommen, setze mich einen Augenblick in die Bahnhofshalle. Ich weiß noch nicht, wo ich jetzt bleiben werde. Eine Empfehlung habe ich, das Kunsthaus NART und wenn die mich dort unterbringen können, ist das gut. Wenn nicht, werde ich mein Apartment suchen oder ein Hotel. Aber ich wollte nicht vorher buchen, sondern Gelegenheit lassen für Spontaneität und Zufälle. Also weiß ich noch gar nicht, was jetzt passieren wird Im Augenblick freue ich mich einfach, eingetroffen zu sein an dem Ort, an den ich jetzt schon so viel gedacht habe. | ||
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| + | Bald wird dieser Ort sich füllen mit tatsächlichen Ereignissen, | ||
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| + | Nachdem ich am Bahnhof war, suchte ich mir ein Hotel und hatte dann das Glück, dass ich im Kunsthaus NART, über Vermittlung von Jörn, einem Professor der EKA (Eesti Kunstiakadeemia) | ||
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| + | ==== Tag 3/01 ==== | ||
| + | //22. Januar 2026, Mainz//\\ | ||
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| + | Am nächsten Morgen kommt Denis, der Stadtführer, | ||
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| + | Denis sagt: „durch natürliche Auslese starben diese Phänomene aus in der Stadt“, mit einer schalkhaften Selbstironie, | ||
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| + | Ich begegne der Geschichte. Früher war Narva eine wunderschöne Stadt, eine Perle des Barocks. Schweden hatte sie bis ins späte 17. Jahrhundert dazu ausgebaut, mit einer riesigen Festungsanlage, | ||
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| + | Ein Gebäude, das wieder aufgebaut wurde, ist das Rathaus. Dort sitze ich mit Denis und wir lesen die elf simulierten Stimmen aus Narva, die die KI Noyan und ich geschrieben haben in der russischen Version. Ich bin sehr gespannt und dann erleichtert und froh, das Denis die Texte aufnimmt, nicht wie eine Überformung oder unbescheidene Behauptung, sondern er kommt ins Erzählen, ins Weiterspinnen. Die Geschichten der elf Stimmen bringen Themen auf, als könnte es die Leute, die in ihnen sprechen geben und sie erinnern an die Geschichten anderer Leute aus Narva. An Denis Schwester, an ihn selbst.\\ | ||
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| + | Zweitausendsieben gab es einen Streit zwischen dem jungen Estland und Russland. Putin war schon damals in Russland an der Macht und verlangte, dass Estland anerkennen solle, dass die sowjetische Zeit eine Befreiung für Estland war. Estland hingegen, bestand auf der Interpretation, | ||
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| + | Die Interpretationsweisen dieser Ereignisse trennen seitdem die europäische Welt, zu der ja auch Russland gehört, scharf. Auf der Brücke in Narva ist der Austausch nach und nach fast völlig zum Erliegen gekommen. Alexei, ein Journalist aus Narva sagt: Früher war Narva eine langweilige Stadt mit zwei interessanten Vorstädten. St. Petersburg und Tallinn. Vielleicht kann es einmal wieder so werden? Vielleicht kann die Welt wieder aufhören, so verrückt zu spielen? Vielleicht können Europa und die EU sich wieder darauf besinnen, dass sie Pluralismus sind und nicht Lagerdenken? | ||
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