Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


ludwig:start

Unterschiede

Hier werden die Unterschiede zwischen zwei Versionen angezeigt.

Link zu dieser Vergleichsansicht

Beide Seiten der vorigen RevisionVorhergehende Überarbeitung
Nächste Überarbeitung
Vorhergehende Überarbeitung
ludwig:start [2026/03/26 14:46] – [Ludwig - Überfall und Überzeugung] adminludwig:start [2026/07/24 19:00] (aktuell) – [Der Ausgangspunkt] admin
Zeile 1: Zeile 1:
 <WRAP centeralign> <WRAP centeralign>
 +[[https://stefanbudian.de/ludwig/|Ludwig – Überfall und Überzeugung]]\\
 [[ludwig:start|Projektbeschreibung]] | [[ludwig:textwerkstatt|Textwerkstatt]] | [[ludwig:archiv|Recherche und Archiv]] | [[ludwig:backstage|Backstage]] [[ludwig:start|Projektbeschreibung]] | [[ludwig:textwerkstatt|Textwerkstatt]] | [[ludwig:archiv|Recherche und Archiv]] | [[ludwig:backstage|Backstage]]
 </WRAP> </WRAP>
  
 ====== Ludwig - Überfall und Überzeugung ====== ====== Ludwig - Überfall und Überzeugung ======
- +//Ein zivilgesellschaftliches Kunstprojekt von Stefan Budian (Mainz)//
-//Ein Kunst-Projekt zur Erinnerungskultur im deutsch-polnischen Raum//+
    
  
 +===== Der Ausgangspunkt =====
  
-===== Projektbeschreibung =====+Im Sommer 2024 gab mir meine Mutter das Feldtagebuch meines Großvaters, Ludwig Breining (1911-1940). Er war Lehrer in Kaiserslautern, SA-Sturmführer, und als Wehrmachtssoldat am Überfall auf Polen beteiligt. Dort schrieb er das Tagebuch, detailliert, persönlich, verstörend nah. In meiner Familie wurde es über Jahrzehnte nicht ange-schaut, meine Mutter hat es nie gelesen.
  
-[[https://stefanbudian.de/ludwig/ludwig-landing|Landingpage]]+===== Die Frage ===== 
 + 
 +Mir geht es nicht darum zu verurteilen – das Urteil steht fest –, sondern zu verstehen, wie ein Mensch, der mir nach dem Klang seiner Worte idealistisch und empathisch erscheint, zu dem Täter werden konnte, der er in Polen war. Wer sich gegen Propaganda immunisieren will, muss begreifen, wie sie wirkt. Die Vorstellung, es seien einfach böse Menschen gewesen, schützt nicht vor Wiederholung. Deshalb der Doppeltitel: Überfall und Überzeugung. Beide Seiten müssen betrachtet werden. 
 + 
 +===== Das Wandelbild ===== 
 + 
 +Meine künstlerische Methode zeigt sich bei den Mal-Aktionen im öffentlichen Raum, bei denen ich ein Ölbild immer wieder übermale und fotografisch dokumentiere; daraus entsteht ein Film, der die einzelnen Malschichten bewahrt und den Malprozess nachvollziehbar macht. Die erste öffentliche Mal-Aktion fand im April 2026 in Kaiserslautern statt, an dem Platz, an dem mein Großvater 1935 in einem SA-Propagandazug marschierte; Deutschlandfunk Kultur hat darüber berichtet: ([[https://www.deutschlandfunkkultur.de/ns-aufarbeitung-stefan-budian-startet-kunstprojekt-ueber-seinen-grossvater-100.html|Zum Deutschlandfunk Interview]]) 
 + 
 +===== Die ungehörten Stimmen ===== 
 + 
 +Im Feldtagebuch werden Menschen am Rande des Geschehens erwähnt, denen Ludwig keine weitere Aufmerksamkeit schenkte und die in den meisten Fällen Opfer der Invasion waren. In Liedern gebe ich ihnen eine Stimme, als notwendiger Kontext und Gegenklang zum Feldtagebuch. Es sind sorgfältig recherchierte fiktive Figuren, eine Art Zusammenschau oder „Konzentrat“ aus vielen Einzelschicksalen, die durch die Musik auch emotional erlebbar werden. Dabei arbeite ich mit Künstlicher Intelligenz. \\ 
 +Zwei Lieder sind bisher veröffentlicht: über Emil, ein Gewerkschafter, der im KZ Osthofen in Haft war, und über Schmuel, ein galizischer Jude, der mit der Entscheidung ringt, mit seiner Familie ins Exil zu gehen oder zu bleiben. 
 +  
 +[[.:stimmen:emil|Emils Lied]]\\ 
 +[[.:stimmen:schmuel|Schmuels Lied]]
  
-==== Projektträger ==== +===== Das parallele Reisetagebuch =====
-Stefan Budian, freischaffender Künstler+
  
-==== Zielsetzung ====+87 Jahre nach dem Überfall fahre ich die Route des Feldtagebuchs nach: beobachtend, malend, schreibend, fragend. An verschiedenen Orten fertige ich bei öffentlichen Mal-Aktionen weitere Übermalungen an; meine Eindrücke und Gedanken halte ich in einem eigenen parallelen Tagebuch fest, als eine Antwort zum Feldtagebuch in derselben Form. Ludwig schrieb, ohne zu wissen, was aus den Geschehnissen, an denen er teilnahm, wurde. Ich schreibe mit historischem Abstand an denselben Orten und weiß es.
  
-Das Projekt reflektiert die Biografie des Wehrmachtssoldaten Ludwig Breining – dem Großvater des Künstlers – aus historischer und künstlerischer Perspektive. Im Zentrum steht ein detailliertes Feldtagebuch aus dem deutschen Überfall auf Polen im September 1939, das kürzlich wiederentdeckt wurde. Die persönliche Verstrickung des Soldaten wird künstlerisch beleuchtet, ohne moralische Einordnung, sondern mit dem Fokus auf die Spannungsfelder von Überzeugung, Gruppendynamik und historischem Geschehen.+Ludwigs Weg beim Überfall 1939: https://stefanbudian.de/ludwig/ludwig_route
  
-==== Projektform ==== +===== Ausblick =====
-Das Vorhaben umfasst eine dokumentarisch begleitete Recherche- und Begegnungsreise nach Polen, szenische Malerei, schriftliche Reflexionen sowie die Entwicklung eines Online- und Buchformats. Im ersten Jahr sind bereits kleinere Ausstellungen und öffentliche Gesprächsformate geplant. Ziel ist ein nachhaltiger künstlerischer Beitrag zur Erinnerungskultur. +
-==== Relevanz ====+
  
-Das Projekt vermittelt Geschichte nicht über Belehrungsondern über BegegnungKunst und persönliche AuseinandersetzungDas Projekt richtet sich besonders an jüngere Menschen in DeutschlandPolen und Tschechiendie offen sind für neue Formen des Erinnerns.+Am Ende wird es ein vielfach übermaltes Ölbildeinen Malereifilmeinen Liederzyklus der „ungehörten Stimmen“ und mein eigenes Reisetagebuch gebenAll dies soll in geeigneter Weise veröffentlicht werdenz.B. in Ausstellungenbei Veranstaltungen, als Buch bzw. E-Book (evtl. mit Auszügen aus dem Feldtagebuch). \\ 
 +Das Feldtagebuch selbst soll einem Archiv übergeben und einer wissenschaftlichen Bearbeitung zugänglich gemacht werden.
  
-==== Struktur ==== 
-Die Umsetzung liegt bei Stefan Budian, unterstützt von mehreren Mitwirkenden in Bereichen wie Organisation, Recherche, Webdesign, Social Media und lokaler Projektkoordination an mehreren Standorten. Die Struktur des Projekts fußt auf einem inhaltlichen Konzept, bestehenden Kontakten in Polen, Tschechien und Deutschland sowie auf künstlerischen und historischen Bezugspunkten – insbesondere den Stationen der Truppe von Ludwig Breining im September 1939. 
  
 ==== Dank ==== ==== Dank ====