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ludwig:start [2026/07/24 17:55] – [Ausblick] adminludwig:start [2026/07/24 19:00] (aktuell) – [Der Ausgangspunkt] admin
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 ===== Der Ausgangspunkt ===== ===== Der Ausgangspunkt =====
  
-Im Sommer 2024 gab mir meine Mutter das Feldtagebuch meines Großvaters, Ludwig Breining (1911-1940). Er war Lehrer in Kaiserslautern, SA-Sturmführer, und als Wehr-machtssoldat am Überfall auf Polen beteiligt. Dort schrieb er das Tagebuch, detailliert, persönlich, verstörend nah. In meiner Familie wurde es über Jahrzehnte nicht ange-schaut, meine Mutter hat es nie gelesen.+Im Sommer 2024 gab mir meine Mutter das Feldtagebuch meines Großvaters, Ludwig Breining (1911-1940). Er war Lehrer in Kaiserslautern, SA-Sturmführer, und als Wehrmachtssoldat am Überfall auf Polen beteiligt. Dort schrieb er das Tagebuch, detailliert, persönlich, verstörend nah. In meiner Familie wurde es über Jahrzehnte nicht ange-schaut, meine Mutter hat es nie gelesen.
  
 ===== Die Frage ===== ===== Die Frage =====
  
-Mir geht es nicht darum zu verurteilen – das Urteil steht fest –, sondern zu verstehen, wie ein Mensch, der mir nach dem Klang seiner Worte idealistisch und empathisch er-scheint, zu dem Täter werden konnte, der er in Polen war. Wer sich gegen Propaganda immunisieren will, muss begreifen, wie sie wirkt. Die Vorstellung, es seien einfach böse Menschen gewesen, schützt nicht vor Wiederholung. Deshalb der Doppeltitel: Überfall und Überzeugung. Beide Seiten müssen betrachtet werden.+Mir geht es nicht darum zu verurteilen – das Urteil steht fest –, sondern zu verstehen, wie ein Mensch, der mir nach dem Klang seiner Worte idealistisch und empathisch erscheint, zu dem Täter werden konnte, der er in Polen war. Wer sich gegen Propaganda immunisieren will, muss begreifen, wie sie wirkt. Die Vorstellung, es seien einfach böse Menschen gewesen, schützt nicht vor Wiederholung. Deshalb der Doppeltitel: Überfall und Überzeugung. Beide Seiten müssen betrachtet werden.
  
 ===== Das Wandelbild ===== ===== Das Wandelbild =====
  
-Meine künstlerische Methode zeigt sich bei den Mal-Aktionen im öffentlichen Raum, bei denen ich ein Ölbild immer wieder übermale und fotografisch dokumentiere; daraus ent-steht ein Film, der die einzelnen Malschichten bewahrt und den Malprozess nachvoll-ziehbar macht. Die erste öffentliche Mal-Aktion fand im April 2026 in Kaiserslautern statt, an dem Platz, an dem mein Großvater 1935 in einem SA-Propagandazug mar-schierte; Deutschlandfunk Kultur hat darüber berichtet: ([[https://www.deutschlandfunkkultur.de/ns-aufarbeitung-stefan-budian-startet-kunstprojekt-ueber-seinen-grossvater-100.html|Zum Deutschlandfunk Interview]])+Meine künstlerische Methode zeigt sich bei den Mal-Aktionen im öffentlichen Raum, bei denen ich ein Ölbild immer wieder übermale und fotografisch dokumentiere; daraus entsteht ein Film, der die einzelnen Malschichten bewahrt und den Malprozess nachvollziehbar macht. Die erste öffentliche Mal-Aktion fand im April 2026 in Kaiserslautern statt, an dem Platz, an dem mein Großvater 1935 in einem SA-Propagandazug marschierte; Deutschlandfunk Kultur hat darüber berichtet: ([[https://www.deutschlandfunkkultur.de/ns-aufarbeitung-stefan-budian-startet-kunstprojekt-ueber-seinen-grossvater-100.html|Zum Deutschlandfunk Interview]])
  
 ===== Die ungehörten Stimmen ===== ===== Die ungehörten Stimmen =====
  
-Im Feldtagebuch werden Menschen am Rande des Geschehens erwähnt, denen Ludwig keine weitere Aufmerksamkeit schenkte und die in den meisten Fällen Opfer der Invasion waren. In Liedern gebe ich ihnen eine Stimme, als notwendiger Kontext und Gegen-klang zum Feldtagebuch. Es sind sorgfältig recherchierte fiktive Figuren, eine Art Zusammenschau oder „Konzentrat“ aus vielen Einzelschicksalen, die durch die Musik auch emotional erlebbar werden. Dabei arbeite ich mit Künstlicher Intelligenz. \\+Im Feldtagebuch werden Menschen am Rande des Geschehens erwähnt, denen Ludwig keine weitere Aufmerksamkeit schenkte und die in den meisten Fällen Opfer der Invasion waren. In Liedern gebe ich ihnen eine Stimme, als notwendiger Kontext und Gegenklang zum Feldtagebuch. Es sind sorgfältig recherchierte fiktive Figuren, eine Art Zusammenschau oder „Konzentrat“ aus vielen Einzelschicksalen, die durch die Musik auch emotional erlebbar werden. Dabei arbeite ich mit Künstlicher Intelligenz. \\
 Zwei Lieder sind bisher veröffentlicht: über Emil, ein Gewerkschafter, der im KZ Osthofen in Haft war, und über Schmuel, ein galizischer Jude, der mit der Entscheidung ringt, mit seiner Familie ins Exil zu gehen oder zu bleiben. Zwei Lieder sind bisher veröffentlicht: über Emil, ein Gewerkschafter, der im KZ Osthofen in Haft war, und über Schmuel, ein galizischer Jude, der mit der Entscheidung ringt, mit seiner Familie ins Exil zu gehen oder zu bleiben.