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Ein Malereiprojekt in Europa

Der Osten des Westens

Die Staaten Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn bilden innerhalb der Europäischen Union den Binnenverband „Visegrad 4“. Im Jahr 2017 habe ich begonnen, diese Staaten-Gruppe zu porträtieren - nicht als Dokumentation, sondern als eine künstlerische Annäherung. Mit den Mitteln meiner Malerei habe ich versucht, etwas von den Menschen und den Gesellschaften in den Visegrad-Staaten zu verstehen. Und wollte dabei eines der Gesichter Europas kennenlernen, das mir bisher weniger vertraut war. Inzwischen fasse ich das Motiv für mein Portrait weiter und interessiere mich für eine größere Region: für den östlichen Rand des sogenannten Westens in Europa.

Künstlerisches Herzstück des Projektes ist ein Ölbild, das ich immer wieder übermale. Die sich verändernden Zustände fotografiere ich und montiere die Fotos zu einem Malerei-Film. Mein Fokus liegt dabei auf der Veränderlichkeit, mit der Vorstellungen entstehen, sich verfestigen und wieder vergehen. Viele vergangene Bilder sammeln sich dabei an, unter der Oberfläche des entstehenden Ölbildes. Diese übermalten Bilder sind die verborgenen Schätze, die im Malerei-Film zu sehen sind.

Für die Betrachter*innen möchte ich einen Freiraum aufspannen: zum meditativen Schauen und zum Spiel mit den eigenen Vorstellungen und Metaphern, die durch den Malereifilm angeregt werden.

Dieses Projekt wird mich als Künstler noch einige Jahre begleiten, auch wenn ich das anfänglich nicht so geplant hatte. Aber jetzt halte es für eines dieser kleinen Dinge in der Welt, nicht besonders wichtig für sich genommen, die aber in ihrer Summe Gutes bewirken - und deswegen wertvoll sind. Es gibt davon viel in der Welt, aber vielleicht nicht genug, und deswegen könnte jeder kleine Splitter entscheidend sein.

Ich werde manchmal gefragt, ob ich mit diesem Kunstprojekt eine politisch motivierte Botschaft habe. Ich würde zwar lieber „gesellschaftlich“ oder „zivilisatorisch“ dazu sagen - insofern aber das mit „politisch“ gemeint ist schon.

Stefan Budian, Mainz, den 15. Juni 2022

Abschied von einem Namen: „Visegrad 4“

2022-04-07

Der Blick in den Osten der europäischen Union scheint mir heute wichtiger als je zuvor - aber der Name „Visegrad 4“ entspricht diesem Gefühl nicht mehr. Dieser Name hat mich auf den Weg gebracht und in den Jahren seit 2017 habe ich viel erfahren und erlebt im Zusammenhang mit den Ländern der „Visegrad 4 Gruppe“. Aber die Welt hat sich weiter gedreht. Anlass für mein Projekt waren die Zerwürfnisse, die sich im Rückblick mit den Namen „Brexit“ und „Trump“ verbinden. Nun sind neue Zerwürfnisse über uns hinweg gegangen: „Pandemie“ und „Ukrainekrieg“. Und es sieht nicht danach aus, als würde die gegenwärtige europäische Geschichte sich bald wieder beruhigen.

Gedrängt durch die Ereignisse in der Ukraine eilt nun plötzlich die allgemeine Aufmerksamkeit der Europäischen Union in den Osten und überspringt dabei (wieder einmal) das besondere Gebiet, für das ich mich zu interessieren begann: die Länder am östlichen Rand der Europäischen Union. Jene Länder, nicht mehr ganz „Mitteleuropa“, aber noch nicht „Rußland“. „Ost-Europa“ ist geografisch gesehen eine falsche Bezeichnung, denn Europa erstreckt sich noch viel weiter in den Osten, nach Russland hinein. Es ist vielmehr eine Kulturgrenze, die wir meinen, wenn wir von „Osteuropa“ sprechen. Sozusagen den „Osten des Westens“.

Irgendwie scheint es den mittleren Europäern immer schwer zu fallen, diesen Teil der Welt anzuschauen. Zu schnell gleitet der Blick zurück zum eigenen Nabel - oder aber weiter, nach Russland und Asien. Gerade jetzt ist eine Ausnahme. Wir nehmen die Ukraine wahr, deren entsetzliche Katastrophe sich über einer unglaubliche Öffentlichkeitsarbeit der ukrainischen Regierung Raum im Herzen des Westens nimmt.

Es wirkt wie eine Show, wie ein Holywoodfilm. Aber es ist weder eine Show noch ein Hollywoodfilm. Alles passiert wirklich, ein erschütternder Moment der europäischen Geschichte ereignet sich, ein Moment, den wir begreifen müssen. Ein Moment, dem wir uns stellen und aus dem wir Konsequenzen ziehen müssen. Über die Betroffenheit in den medialen Induktionsschleifen hinaus und unabhängig davon.

Dort - unter Deck des so ganz Bewussten - sehe ich mein Arbeitsfeld, meine Aufgabe als Künstler. Dort möchte ich etwas beitragen mit meinem Portrait, meinem Schatzbild, das ich von nun an unter dem Namen „Der Osten des Westens“ fortführen will.

Abschied von dem Computerspiel „Weltkarte“

2022-04-09

Ich bin älter geworden und habe die Verantwortung für ein gelingendes Kunstprojekt, das für Europa wichtig sein könnte. Ich möchte jetzt damit aufhören, an vielen komplexen Themen gleichzeitig zu arbeiten. Es sind mehrere Künstlerleben, die ich gleichzeitig führe und es gefällt mir so. Aber jetzt möchte ich diese Lebensphase hinter mir lassen.

„Wichtig sind nur die Tage, die kommen“, singt Marek Grechuta, dessen Musik und Lyrik ich gerade begegne, dessen Lied „Dni, których nie znamy“ plötzlich und unerwartet zu mir zu sprechen beginnt wie ein Freund. Ein Freund, der mir mit Rat zur Seite steht und mir sagt, dass ich die Dinge, die mir die Kräfte und den Atem nehmen verlassen kann. Ohne Reue oder Bedauern.

Ich fühle eine Neugierde, mich von diesem Lied, das ich noch nicht kenne, weil es hinter der Grenze der fremden Sprache noch verborgen ist, führen zu lassen. Dabei spüre ich auch, ahne ich auch einen tiefen und liebevollen Respekt für „das Polnische“. Das ist unerwartet für mich. Aber erwünscht als eine Empfindung, oder als Entäusserung eine Geste, die mir richtig und hilfreich erscheint. Wie ein gutes Beispiel für das, was ich von und für Europa will. Als würde ich mir selbst zum Vorbild werden können mit dem „Selbst“, das nicht „Ich“ bin, sondern größer.

Meine Vergangenheit, mein künstlerischer Weg, hat mich hierhin gebracht. Ich fühle Dankbarkeit dafür und nehme Abschied davon. Ich mache mich bereit für das Neue. Denn die Tage, die kommen, sind wichtig.

Reisenotizen:

v4_treasure-painting.txt · Zuletzt geändert: 2022/06/16 12:10 von admin