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Vance am Mahnmal — Erinnerung und Politik
Der Moment
Am 10. Februar 2026 betrat J.D. Vance, Vizepräsident der Vereinigten Staaten, das Tsitsernakaberd-Mahnmal in Jerewan. Es war das erste Mal, dass ein amtierender US-Präsident oder Vizepräsident armenischen Boden betrat.
Dr. Edita Gzoyan, die Direktorin des Armenischen Genozid-Museums, führte beide durch die Gedenkstätte. Sie zeigte Vance die Khachkars — die Kreuzsteine — für die Opfer der Massaker in Sumgait, Baku und Gandzak. Sie überreichte ihm fünf Bücher — Dokumentationen über den Völkermord, die Massaker, den Artsakh-Konflikt.
Vance postete noch am selben Tag auf X, er und seine Frau hätten einen Kranz am Denkmal für den Völkermord an den Armeniern niedergelegt — das Wort „Völkermord„ explizit verwendend.
Dann flog er nach Baku.
Kurz vor dem Abflug wurde der Tweet gelöscht.
Die Entlassung
Am 12. März bestätigte Premierminister Paschinjan öffentlich: er selbst habe Gzoyan aufgefordert, ihren Rücktritt einzureichen. Sein Wort dafür: „provokative Handlung, die gegen die vom Staat verfolgte Außenpolitik verstößt.“
Der Vorsitzende des Kuratoriums, der Historiker Raymond Kevorkian, trat zurück. 74 Mitarbeiter unterzeichneten einen Appell. Paschinjan ersetzte das unabhängige Kuratorium mit politischen Loyalisten.
Was Gzoyan getan hatte, war ihr normaler Dienst. Erinnerung kann keine Provokation sein.
Warum Paschinjan so handelt
Armenien hat 2020 und 2023 zwei Kriege um Bergkarabach verloren. 120.000 Armenier wurden aus Artsakh vertrieben. Russland — jahrzehntelange Schutzmacht — stand still. Paschinjan versucht eine Neuausrichtung Richtung Westen. Aserbaidschan fordert als Bedingung für Frieden: den TRIPP-Korridor durch armenisches Territorium, Verfassungsänderungen, das Fallenlassen der Artsakh-Frage.
Paschinjan opfert Erinnerung für Sicherheit. Das Kalkül: wenn wir Artsakh nicht benennen, gibt Aserbaidschan keinen Vorwand für einen neuen Krieg.
Was er übersieht: Erinnerung lässt sich nicht administrieren.